Erlebnisse (Blog)

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Visionen für die Bult

Serie VEREINtes Hannover: Wie sich der Post SV Hannover durch die Corona-Krise kämpft

Von Carsten Bergmann

Hannover. Gewöhnlich herrscht hier auf der Dachterrasse des Post-SV reger Betrieb. Doch während auf den Tennisplätzen in unmittelbarer Sichtweite das Training läuft und hinter dem Zaun die Step-Aerobic- und Reha-Sport-Gruppen im Freien auf der Rasenfläche schwitzen, bleibt die Gastronomie verwaist. Vom Alltag, den der Verein im Herzen der Bult kennt, ist noch lange nichts zu spüren.

Sascha Wichert, hauptamtlicher Trainer und Ge­schäfts­füh­rer des Klubs, kennt die Zahlen. Zu Beginn der Corona-Vollbremsung freute sich der Vereinsboss noch über die Solidarität der Mitglieder. Mittlerweile aber hat der Verein 10 Prozent seiner Sportler eingebüßt. 140 Kündigungen – das schmerzt besonders in diesen unsicheren Zeiten.

Dabei nahm die Entwicklung des Post- SV durchaus einen steilen Anstieg. Wi­chers bastelt an einer Zu­kunfts­vi­sion – gemeinsam mit den angrenzenden Vereinen SV Arminia, Hannover Spartans und TG Hannover. Am Bischofsholer Damm, so die ganz große Vision des Funktionärs, könnte ein Sportzentrum mit mehreren tausend Aktiven entstehen. Könnte. Doch auch wegen Corona herrscht in allen Planungen Stillstand.

Mit am Tisch des Vorsitzenden sitzt Ute Strautmeister und lauscht den Worten. Sie wartet auf ihre Sportgruppe, die das Ende des Corona-Sportverbots mit großer Freude aufgenommen hat. Mit Freude, aber durchaus auch mit Skepsis, berichtet die Trainerin. „Manche musste man aus der Trägheit befreien, andere wollten am liebsten sofort loslegen“, berichtet sie. Das Draußen-Training kommt bei ihrem Aerobic-Kurs prima an. Solange es nicht regnet. Man erlebe sich ganz an­ders, erzählt Ute Strautmeister und wackelt schon unruhig mit den Füßen. Auch für sie ergibt sich mit den Sport-Lockerungen eine neue Perspektive. Neun Stunden gibt sie in der Regel pro Woche Training. Mit dem Wechsel ins Digitale konnte sie sich nicht so recht an­freun­den. Der Druck, etwas produzieren zu müssen, um mit den Sportlern in Kontakt zu bleiben, wuchs von Wo­che zu Woche.

Sascha Wichert nickt. Auch er als Arbeitgeber musste Plattformen kreieren, um den Dienstausfall bei den Trainern so gering wie möglich zu halten. Tanzen, Turnen, Fit & Vital – alles Abteilungen, die von heute auf morgen im Shutdown gefangen waren. Die Antworten auf diese „Vollkatastrophe für Übungsleiter“ (Wi­chert) hießen: Youtube-Channel, Zoom-Meetings, Online-Workshop. Viele englische Begriffe, viele digitale Herausforderungen, „aber viele Lösungen, die uns in dieser Phase geholfen haben und uns in Zukunft helfen werden“.

Mehr Hilfe hätte sich der PSH-Vorsitzende hingegen von Stadt- und Landessportbund gewünsc ht. „Die letzte Bastion, die beachtet wird, sind die Sportvereine. Die Vereine waren auf sich allein gestellt“, sagt Wichert, der das Vergangene abspeichert, den Blick aber nach vorne wirft. Auf der Anlage soll eine Sporthalle entstehen. Ein Investor für den 3-Millionen-Euro-Bau wurde gefunden, Schwerpunkt sollen hier Squash und Beach-Sportarten werden. Pläne, die auch Corona nicht durchkreuzen konnte. „Und wer weiß“, sagt Wichert, der das Breitensportzentrum mit allen angrenzenden Sportvereinen unter einem Dach nicht abschreiben will, „man braucht Visionen. Gerade jetzt. Und mit diesem Zentrum hätten wir eine wirkliche Stimme in dieser Stadt.“


Quellenangabe: HAZ vom 13.06.2020